Literaturempfehlung: Marco Polo Reiseführer Russland
Autor: Ulrich Stewen / Günther Wolfram
Verlag: Mairdumont
Erschienen: Februar 2006
Zielgruppe: Reiseleiter, Reisegast
Dieses Fleckchen Erde reicht von Polen bis Nordkorea, ist dabei nur 85 Kilometer von den USA entfernt, hat alleine 11(!) Zeitzonen, im Norden treiben im polaren Hochsommer die Eisschollen umher, während im subtropischen Süden zu Jahresbeginn die Veilchen blühen, und es ist etwa 50mal so groß wie Deutschland. Wie will man so etwas auf 128 Seiten zusammenfassen? Das Team von Marco Polo versucht es mit seiner Ausgabe des Rußland-Reiseführers -- und es funktioniert. Bis in die 30er Jahre waren Individualreisen nach Sowjetrußland (z.B. mit der Transsibirischen Eisenbahn) durchaus noch möglich, während dies nach 1956 durch die politische Abkapselung des Landes fast unmöglich wurde. Erst zu Zeiten eines Michail Gorbatschow erfuhr Rußland wieder eine Öffnung. Da es immer noch ein recht strapaziöses Unterfangen ist, Rußland auf eigene Faust zu erkunden, versucht dieser kleine Reisebegleiter zu helfen, wo er kann. Nach den sinnvollsten Anreiseempfehlungen folgen einige Seiten interessanten russischen "Allgemeinwissens": Erklärungen von Begriffen wie Duma, Rubel oder Ikone und Hintergründe zu Nationalitätenkonflikten, Kirche, Wirtschaft oder den Medien. Im Anschluß treffen wir auf kulinarische Erläuterungen (die über Borschtsch und Wodka hinausgehen), gefolgt vom "Rußlandkalender", der auf religiöse Feiertage und besondere Veranstaltungen hinweist.
Der Teil mit den eigentlichen Reiseführer-Topics beginnt mit einem "Kurzbesuch" der 9-Millionen-Metropole Moskau und den damit verbundenen Querverweisen zur im Innenteil befindlichen (sehr ausführlichen) Karte der Innenstadt. Auch auf St. Petersburg wird im Detail eingegangen, hier allerdings leider ohne eine spezielle Karte. Dafür ist bei Marco Polo jetzt ein mehrseitiger Reiseatlas im Umfang enthalten -- eine sinnvolle Ergänzung. Nach den beiden Städten werden nun die einzelnen Gebiete des Landes (eher allgemein) behandelt: Den "Goldene Ring" -- Schmuckstücke russischer Architektur und Kunst sind wie an einer Kette um Moskau herum angesiedelt -- behandelt man Stadt für Stadt, jeweils mit Tips, Adressen und Vorschlägen. Auch der hohe Norden Rußlands wird dem Leser nach diesem Schema nähergebracht. In der Folge gehen die Autoren auf die isoliert zwischen Polen und Lettland liegende Westprovinz Kaliningrad, auf das Wolga-Gebiet (hier ist noch Pioniergeist gefragt) und auf Südrußland (Geheimtip kaukasische Mineralbäder) ein. Zuletzt kann sich der abenteuerlustige Leser nun gemäß eines alten Sprichwortes über Sibirien und den fernen Osten informieren: 100 Rubel sind kein Geld, 100 Jahre kein Alter und 100 Kilometer keine Entfernung!